Betroffene für Filmprojekt gesucht

Eine Berliner Animations-Filmemacherin hat mich beauftragt, ihr bei der Recherche und ProtagonistInnen-Suche für ihren nächsten Film zu helfen. Es soll eine Art Animations-Doku werden: Inspiriert von realen Geschichten arbeitet die Filmemacherin vor allem mit Knet-, aber auch gezeichneten Animationen. Sie ist selbst Opfer väterlicher Gewalt und inzwischen Mutter eines vierjährigen Sohnes. In dieser für sie noch recht neuen Rolle hat sie festgestellt, dass ihre Erfahrung mit der körperlichen und seelischen Gewalttätigkeit ihres Vaters sich auf ihr und in ihrem Muttersein auswirkt, dass also manchmal Stress-Situationen bei ihr ebenfalls eine gewalttätige Reaktion auf das Kind triggern – die sie aber nicht auslebt. Die Filmemacherin ist sehr reflektiert und versucht, den destruktiven Impulsen bewusst und kreativ entgegenzuwirken.

Und darum soll es in ihrem Film gehen: Um die Geschichten von Menschen, die Missbrauchsopfer ihrer Eltern oder zumindest eines Elternteils sind, die sich dessen bewusst sind, dass diese Erfahrung tief in ihnen verankert ist, sich deshalb auf ihr eigenes Elternsein auswirkt und daraus bewusst Konsequenzen ziehen. Das kann zum einen sein, dass sie sich dem Eltern sein verweigern, sie also bewusst keine Kinder in die Welt setzen, um zu verhindern, dass sie das Erlebte in irgendeiner Form fortsetzen, oder als Eltern Maßnahmen ergreifen, um ihre negativen Kindheitserfahrungen nicht an den eigenen Nachwuchs weiterzugeben. Aber selbst Geschichten von Menschen, die sich bewusst für den gleichen Weg wie ihre Eltern entscheiden, weil sie Bestrafung zum Bespiel für erzieherisch notwendig und nicht schädlich, moderne Erziehung hingegen für verweichlicht und nicht zielführend halten, kämen in Frage. Es geht also um verschiedene Perspektiven auf das Thema.

Mit ihrem Film will sich die Filmemacherin diesem Tabu widmen und darüber aufklären, inspiriert von den realen Geschichten und ausgedrückt durch ihre Animationen.

Wichtig auch noch dies: Das Projekt ist bereits teil-finanziert – die Filmemacherin hat dafür ein Stipendium erhalten – und somit konkret realisierbar. Und: Die Menschen, die sich dazu bereit erklären, daran teilzunehmen und ihre Geschichte zu erzählen, werden zwar mit einem Aufnahmegerät interviewt, um ihre Geschichte festzuhalten, sie bleiben aber ansonsten anonym: Es werden keine Namen genannt, keine Gesichter gezeigt und die Geschichte wird im fertigen Film von einer/m Schauspieler*in nachgesprochen. Es ist vorstellbar – und das hat sich auch bereits bei denjenigen gezeigt, die bis jetzt bei dem Film mitmachen wollen -, dass es für die/den eine/n oder andere/n auch eine gute Erfahrung sein könnte, bei einem solchen Projekt gemeinsam mit Leidensgenoss*innen mitzumachen.

Wir sind offen für Menschen jeglicher Herkunft, jeglichen Alters und Geschlechts und wünschen uns sogar eine möglichst große Vielfalt. Die Filmemacherin will ihre eigene Geschichte auch in dem Film verarbeiten.

Zum Schluss noch ein Beispiel von ihr selbst: Sie hat, nachdem ihr Vater gestorben war, ein Tagebuch von ihm gefunden, wo er ausschließlich negative Erfahrungen mit seinen Töchtern, also mit ihr und ihrer Schwester, festgehalten hat. Die Filmemacherin schreibt heutzutage ein Tagebuch, in dem sie die positiven Erfahrungen und Erlebnisse mit ihrem Sohn festhält.

Und hier noch ein Film von ihr:

Der folgende Film ist zwar nicht von ihr, er ist aber ein Beispiel dafür, wie die Erzählungen und Animationen zusammenwirken könnten.

Bei Interesse bitte melden unter: +49-172-3910850 oder: mail@stefanie-zobl.info.